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Sehenswert
Das ladinische Kulturinstitut "Micurà de Rü"

Das Ladinische Kulturinstitut "Micurà de Rü" mit Sitz in St. Martin in Thurn ist mit Landesgesetz vom 31. Juli 1976 ins Leben gerufen worden und hat seine Tätigkeit im Herbst 1977 aufgenommen.
Die Zielsetzungen des Instituts sind folgende:
wissenschaftliche Erforschung der Sprache, Geschichte und Kultur der Dolomitenladiner;
Erhaltung und Ausbau der Sprache sowie Stärkung der Kultur durch Publikationen und ein Programm für die Erwachsenenbildung;
Führung eines Archivs und einer Bibliothek für ladinische Studien;
Pflege von Kontakten zu den Ladinern der einzelnen Dolomitentäler, aber auch zu den Ladinern im Friaul und in Graubünden.
Das Institut hat im Rahmen seiner vielfältigen Tätigkeit bereits wertvolle kulturelle Arbeit geleistet und zur Stärkung des ladinischen Selbstbewusstseins beigetragen.
Die Bibliothek (allgemeine Bibliothek mit Video- und Audiothek sowie Fachbibliothek) ist von Montag bis Donnerstag von 10.00 bis 12.00 Uhr und von 15.00 bis 17.00 Uhr sowie freitags von 10.00 bis 12.00 Uhr allgemein zugänglich.
Im Sommer werden verschiedene Ausstellungen mit Werken ladinischer Künstler organisiert.
Tel. +39 0474 523110 - www.micura.it - e-mail: micura@ladinia.net

Das Museum Ladin Ćiastel de Tor
Im Jahre 2001 hat das Ladinische Landesmuseum auf Schloss Thurn seine Tore geöffnet.
Im Herzen der Dolomiten leben die Dolomitenladiner, mehr als 30.000 Menschen, deren gemeinsame Identität durch zwei wesentliche Elemente bestimmt wird: die besondere Sprache, die auf das Volkslatein zurückgeht, sowie die einzigartige Gebirgslandschaft inmitten der Südalpe.
Nur unter den besonderen Bedingungen dieser Gebirgslandschaft konnte sich das Ladinische, diese älteste Sprache der Region, - eingezwängt zwischen dem italienischen und deutschen Sprach- und Kulturraum - bis heute lebendig erhalten.
Das Museum Ladin gewährt einen wertvollen Einblick in die Geschichte und Gegenwart der Dolomitenladiner, beleuchtet einschneidende Einflüsse des überregionalen Geschehens auf deren Leben und hebt die Wechselbeziehung zwischen Landschaftsformen und Lebensweisen hervor.
Schlossgeschichte
Um 1230 errichten Dienstleute der Bischöfe von Brixen einen freistehenden, dreigeschossigen Wohnturm. Er wird 1290 als "turris in Geder" erstmals dokumentiert und bildet den Mittelpunkt des Gerichtes Thurn an der Gader (eigentlich: "Thurn in der Quadra"). Bis 1331 besitzen die Herren von Rodank-Schöneck dieses Lehen der Brixner Bischöfe.
In den kommenden Jahren werden eine zinnenbekrönte Umfassungsmauer mit einem Wehrgang und ein neues kleines Wohngebäude (Palas) errichtet. Der Turm, um zwei Geschosse aufgestockt, wird zum Getreidespeicher.
Bischof Berthold unterstellt das Gericht um 1426 direkt der bischöflichen Verwaltung und setzt Beamte als Pfleger und Richter ein.
Nach dem Jahre 1500 folgen weitere Ausbauten: der romanische Palas wird erweitert und erhält die heutige Form; an den Umfassungsmauern entstehen zwei Rundtürme.
Nachdem die Bischöfe die Herrschaft über das Gericht Thurn an der Gader verloren haben, kaufen Bauern 1803 das Schloss. Ihre Nachkommen bewohnen es bis zur Umwandlung des Gebäudes in ein Museum.
Im Sommer werden im Museum Ladin Ausstellungen mit Werken international anerkannter Künstler organisiert.
Tel. +39 0474 524020 - www.museumladin.it - e-mail: info@museumladin.it

Wanderung zu den "Viles" von Campill und Besichtigung des Kalkbrennofens
Campill - Frëina - Seres - Mühlental - Miscì - Campill
Länge: ca. 6 km; Höhenunterschied: 400 m.
Wir lassen das Auto auf dem Dorfplatz von Campill zurück und gehen auf der Hauptstraße in südwestlicher Richtung weiter. Vor den letzten Häusern des Dorfes zweigen wir rechts ab und folgen der Markierung Nr. 4, wobei wir uns immer an der orographisch linken Seite des Seresbaches halten. Nach kurzer Zeit erreichen wir "Frëina", eine Siedlung, die an einem kleinen Bach liegt. Dann steigt der Weg zum Weiler "Seres" an, der ein typisches Beispiel für die außergewöhnlich geschlossene Siedlungsstruktur einiger "Viles" darstellt. Der Weg dreht anschließend nach rechts zum Kernbereich von "Seres". Links des ersten Hauses führt ein Weg zum zentralen Platz, einem der schönsten dieser Art im Gadertal. Drei kunstvolle Bauwerke, die eng mit der ländlichen Kultur verbunden sind, umschließen den Platz. Am unteren Ende des Platzes steht ein vollständig erhaltener Backofen. Er ist im Besitz von vier Familien, die ihn heute noch benutzen. An der gegenüberliegenden Seite steht eine Viehtränke aus Holz, daneben ein "favà"; darauf werden im Herbst die Pferdebohnen zum Trocknen aufgehängt. Türen und Fenster sind bunt bemalt. All diese Elemente beleben den kleinen, bestens strukturierten Gemeinschaftsbereich und verleihen ihm eine ganz besondere Atmosphäre. Nach dem Verlassen des Platzes treffen wir auf eine Straße, die bergauf in Richtung Seresbach führt. Hier befinden sich mehrere Mühlen. Dieses sogenannte "Mühlental" zeichnet sich besonders durch das gut durchdachte System zur Nutzung der Wasserkraft aus, welches von den Bewohnern von Miscì und Seres entwickelt wurde. Es setzt sich aus zahlreichen Sperren, Schleusen und Holzrinnen zusammen. Insgesamt stehen hier acht Mühlen: Mühlräder und Mühlwerk sind aus Holz, die Mühlsteine aus Granit. Die Anlage ist in ihrer Einzigartigkeit ein wertvolles Stück Vergangenheit.
Auf einem Steg überqueren wir den Bach und erreichen die Häusergruppe "Miscì". Dabei handelt es sich um eine größere Siedlung, die aus zwei Siedlungskernen besteht und in einen steilen Hang hineingebaut ist. Die Häuser reihen sich eng um die beiden Plätze, die mit ihren Backöfen und Brunnen den Gemeinschaftsbereich bilden. Einige Gebäude sind von besonderem Interesse, so etwa das höchstgelegene Haus des Weilers oder jenes, das vollständig aus Mauerwerk errichtet und für die Bauweise des frühen 20. Jahrhunderts typisch ist. Bemerkenswert sind außerdem viele Details hinsichtlich der Bautechnik der Stadel und der Gestaltung der Außenbereiche.
Von Miscì aus wandern wir entlang der Straße bergab und kommen zu einem schönen Lärchenwald.
Dort treffen wir auf einen Kalkbrennofen (Lad. Cialciara). Mit der Freilegung und Sanierung dieses verschütteten Kalkbrennofens wurde in Campill ein interessantes Kulturdenkmal aufgewertet. Es ist heute nicht mehr leicht, die genaue Anzahl der einstmals in der Campiller Gegend vorhandenen Kalkbrennöfen zu eruieren, schätzungsweise gab es aber etwa acht bis neun davon. Die Kalkbrennöfen dieser Gegend wurden aus groben Bruchsteinen rund aufgemauert, und ihre Höhe erreichte maximal fünf Meter. Beim Besuch der Standorte fällt ins Auge, dass die Öfen immer abseits der Siedlungen errichtet wurden, und zwar meistens im Wald, wo auch reichlich Holz zum Heizen vorhanden war. Darüber hinaus bevorzugte man vor allem Standorte, wo das erforderliche Kalkgeröll möglichst in greifbarer Nähe und auch in hinlänglicher Qualität anzutreffen war. Bei einem Einsatz von sieben bis acht Leuten und mehreren Pferden nahm das Füllen des Ofens fast eine ganze Woche in Anspruch. Die Kalksteine mussten vorher alle händisch gesammelt und oft mit nicht zu unterschätzendem Aufwand mit Schlitten oder Karren zum Brennort befördert werden. Als Brennmaterial wurde Fichten- und Zirbelkieferholz verwendet. Der Brennvorgang selbst zog sich über drei Tage und drei Nächte hin und war mit einem sehr hohen Holzverbrauch verbunden (ca. 120 bis 130 Kubikmeter). Sofern der frischgebrannte Kalk nach der Entleerung des Ofens nicht auf irgendeiner Baustelle zum unmittelbaren Einsatz gelangte, gab man ihn in eine nahe der Häuser gelegene feuchte Kalklege. Die meisten Kalkbrennöfen wurden in Campill nicht gewerbemäßig betrieben, sondern lediglich zur Deckung des Eigenbedarfes bei anfallenden Bautätigkeiten genutzt.
Mit einer gründlichen und traditionsgerechten Gesamtsanierung des Kalkbrennofens am Eingang des Antersasc-Tales konnte der ursprüngliche Zustand des Manufaktes wiederhergestellt werden. Im Laufe des Sommers 2003 wurde auf Veranlassung des Tourismusvereines St. Martin in Thurn diese althergebrachte Tradition wieder belebt, und der Kalkbrennofen bei Seres wurde wieder in Betrieb genommen.
Nach diesem Abstecher zum Kalkbrennofen biegen wir links ab und gelangen über einen Kreuzweg ins Dorfzentrum von Campill zurück.
Im Sommer werden wöchentliche Weilerrundgänge und Besichtigungen des Mühlentales organisiert. Anmeldung im Tourismusbüro erforderlich! Außerdem ist jeden Donnerstag die erste Mühle bei Seres in Betrieb.

Das Mühlental in Campill
Neben der bäuerlichen Siedlungsweise der "Viles", der bezaubernden Naturlandschaft und dem Naturpark Puez-Geisler hat das Dorf Lungiarü (Campill) noch eine ganz besondere Attraktion zu bieten: das sogenannte "Mühlental". Die dort vorhandenen Mühlen werden von den einheimischen Bauern zum Teil auch heute noch benutzt und stellen ein lebendiges Zeugnis einer althergebrachten Kultur dar. In der Vergangenheit, als die Bauern allein vom landwirtschaftlichen Ertrag leben mussten, galten die Mühlen als unentbehrliche Infrastruktur. Infolge des starken sozioökonomischen Wandels der letzten Jahrzehnte, welcher sich merklich auf die Lebensverhältnisse der Bergbauern niedergeschlagen hat, drohen die Funktion und die Bedeutung der Mühlen mehr und mehr in Vergessenheit zu geraten.
Dank der Europäischen Union war es möglich, die Mühlen entlang des Seresbaches fachgerecht zu renovieren. Der Besichtigungsweg ist ein 1½ km langer, romantischer und lehrreicher Spazierweg in die Vergangenheit längs des rauschenden Seresbaches.
Wöchentlich werden geführte Wanderungen zum Mühlental in Campill organisiert.
Anmeldung im Tourismusbüro erforderlich!

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