Untermoj - Börz, Gadertal, Südtirol

Untermoj - Börz, Gadertal, Südtirol
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Geschichte und Kultur
Untermoj - Sankt Martin in Thurn - Geschichte und Kultur Es gilt als sicher, dass unser Tal bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war, allerdings nur spärlich und unter Bevorzugung günstiger und sonniger Hanglagen.

Funde am Würzjoch und auf der Pozes-Alm (Ausgrabungen 1999), die auf die Zeit zwischen 7000 und 5000 v. Chr. zurückgehen, lassen darauf schließen, dass sich bereits damals - zumindest während der warmen Jahreszeit - Jäger in unserem Gebiet aufhielten.

Ab der Bronzezeit können wir laut Aussage der Archäologen eine - wenn auch nur dünne - Dauerbesiedlung annehmen. Mit dem Jahre 15 v. Chr. tritt das Gadertal in das Licht der Geschichte. Nach der Eroberung der Alpen durch die Römer wird das Gebiet dem Römerreich unterstellt. Aus der Begegnung zwischen bodenständigem Idiom und lateinischer Volkssprache entwickelt sich im Laufe der Jahrhunderte die ladinische Sprache.

Über die Zeit des frühen Mittelalters wissen wir noch sehr wenig. Nach der Jahrtausendwende werden die Besitzverhältnisse in dem auf die Grafschaften Pustertal und Norital aufgeteilten Gadertal neu geregelt: Graf Volkhold vermacht um 1030 n. Chr. die orographisch rechte Seite des Tales von Enneberg über Wengen und Abtei bis Corvara dem Benediktinerinnenkloster Sonnenburg (nordwestlich von St. Lorenzen im Pustertal). Die linke Talseite, also das heutige Gemeindegebiet von St. Martin in Thurn (St. Martin mit Pikolein und Ju, Campill und Untermoj) sowie die Ortschaft Welschellen, wird hingegen von Kaiser Konrad II dem Bischof von Brixen überlassen (1027 n. Chr.).

An diesen Besitzerverhältnissen ändert sich ungefähr 800 Jahre lang nichts. Erst nach der Aufhebung des Klosters Sonnenburg durch Kaiser Josef II (1785) und nach der Säkularisierung des bischöflichen Fürstentums Brixen (1803) wird die Bevölkerung direkt dem Staat unterstellt.

Tradition Der Erste Weltkrieg brachte viel Leid über die Dolomitentäler und forderte von den Ladinern einen hohen Blutzoll.
Die Frontlinie verlief mitten durch das ladinischsprachige Gebiet und berührte auch das südliche Gadertal.
Im Zuge des Anschlusses Südtirols an Italien im Jahre 1918 wurden auch die ladinischsprachigen Landesteile an den italienischen Staat angegliedert.

In den 20er Jahren wurden die Ladiner zunächst auf zwei (1923) und dann auf drei (1927) verschiedene Provinzen - nämlich Trient, Belluno und Bozen - aufgeteilt, was verhängnisvolle Auswirkungen auf die innere Einheit dieser Volksgruppe hatte.

In dem von Italien und Österreich unterzeichneten Pariser Vertrag (1946) wurden die Ladiner nicht berücksichtigt. Erst im Autonomiestatut von 1948 werden die Ladiner der Provinzen Bozen und Trient erwähnt. Konkret schuf aber erst das sogenannte Paket von 1972 die Ausgangslage für eine Kulturpolitik, die auf die Erhaltung der ladinischen Volksgruppe abzielte. Allerdings galt diese nur für die Ladiner der Provinz Bozen und - mit größeren Einschränkungen - für die Ladiner der Provinz Trient.
Die in der Provinz Belluno und somit in der Region Venetien lebenden Ladiner konnten jedoch vom Paket nicht berücksichtigt werden.

Die Weiler - "Les Viles"

Die Viles in Gadertal in Untermoj Das Gadertal ist eines der vier ladinischen Dolomitentäler, die vom Sellastock ausgehend in verschiedene Richtungen verlaufen. Wenn wir vom Haupttal in die Seitentäler vordringen, stoßen wir - insbesondere in Campill, Enneberg und Wengen - auf eine charakteristische Bergbauernlandschaft.
Die sonnseitigen Hänge sind gleichmäßig von einer Vielzahl von Weilern - im Ladinischen "Viles" genannt - übersät.
Diese sind eingebettet in Wiesen und Äckern, verbunden durch eschengesäumte Wege, getrennt durch Bacheinschnitte und bekrönt von dichten Fichten- und Lärchenwäldern, die bis in die Hochalmen hinaufreichen.
Die extreme Steilheit des Geländes und die Harmonie der Felder, der Geländerücken und der wenigen Hochplateaus, zwischen denen die ländlichen Weiler so vortrefflich eingefügt sind, gelten als einzigartig. Gruppen von Holzhäusern, Steinhäusern und Holzstadeln schmiegen sich auf Steilhängen oder am Außenrand der Geländeterrassen in charakteristischer Weise aneinander. Die geschlossenen Weilersiedlungen auf der Sonnseite sind dicht aneinander gebaut und mögen dem Bedürfnis ihrer Bewohner nach Sicherheit und Zusammengehörigkeit entsprungen sein. Gleichzeitig sind sie auch Ausdruck des Bestrebens, mit dem wenigen vorhandenen Kulturgrund möglichst sparsam umzugehen.
Im Laufe der Jahrhunderte waren die verschiedenen Phasen der Besiedelung des Gadertales gekennzeichnet von einer ausgedehnten Rodungstätigkeit zur Nutzung der am günstigsten gelegenen Flächen, von der Verbauung der Wasserläufe, vom Bau eines Steig- und Wegenetzes, von der Bodenverbesserung, der Standortwahl und dem Bau der bäuerlichen Siedlungen. All diese Tätigkeiten mussten von der unumgänglichen Tatsache ausgehen, dass einzig und allein der verfügbare Boden die materielle und wirtschaftliche Lebensgrundlage darstellte. Unter diesen Bedingungen ging die fortschreitende Urbarmachung des verfügbaren Bodens vor sich. Er wurde in Wiesen umgewandelt oder als Wald- und Weideland genutzt, um das Überleben einer bäuerlichen Gemeinschaft unter extremen Bedingungen zu sichern.
Wenn man bedenkt, dass ein Viertel des Gebietes alpines Ödland und über ein Drittel bewaldet ist, erkennt man, wie gering in diesem Tal der Anteil der landwirtschaftlichen Nutzfläche ist.
Im übrigen erfolgte die jahreszeitlich bedingte Verlagerung der Tätigkeitsorte über Jahrhunderte hindurch von unten nach oben und von oben nach unten. Die Kettenglieder dieser vertikal ausgerichteten Arbeitsorganisation bildeten - schematisch dargestellt - die Talwiesen unterhalb der Weiler, die Äcker und Gärten um die Häuser, die Niederweiden bis zum unteren Saum des Waldes, der Wald selbst und die Hochalmen.
Untermoj - Trachten Die Morphologie des Tales bedingt die Ausbildung eines vertikal ausgerichteten Bodennutzungssystems, wie es im Alpenraum sehr verbreitet ist. Die Gadertaler Weiler liegen nicht im schattigen Talgrund sondern auf den Sonnenhängen, auf einer Meereshöhe von 1200 bis 1700 m, wobei sie ein horizontal ausgerichtetes Verbindungsnetz bilden.
Im Mittelpunkt dieses komplexen Gefüges stehen die Weiler, die aus mindestens drei und aus maximal zehn Bauernhöfen bestehen, zu 79% auf steilen Hängen liegen, zu 8% im Talboden, zu 7% auf Schwemmkegeln und zu 6% auf Geländeterrassen.
Die Hangsiedlungen sind mit Sicherheit die ältesten, da erst im 15. Jahrhundert mit der Urbarmachung des Talbodens begonnen wurde.

Die ladinische Sprache

Die Sprache unserer Bevölkerung ist das Ladinische (auch das Rätoromanische genannt). Dabei handelt es sich um eine romanische Sprache, die nicht nur im Gadertal, sondern auch in den übrigen Tälern rund um den Sellastock (Gröden, Buchenstein, Fassa, Ampezzo), im Friaul und in Graubünden (Schweiz) gesprochen wird. Im Dolomitengebiet fehlt allerdings bis heute eine einheitliche Schriftsprache. Das wichtigste Projekt in dieser Hinsicht mit der Bezeichnung "Spell", hat zum Ziel, eine standardladinische Schriftsprache (Ladin Dolomitan) zu schaffen. Das Projekt läuft seit 1994 und brachte im Jahr 2001 eine Grammatik des Standardladinischen, ein Jahr später ein Wörterbuch hervor.

Gadertaler Ladinisch klingt in etwa so:

Guten Tag = Bun dé! (bis Mittag)
Guten Nachmittag = Bun domisdé! (von Mittag bis abends)
Guten Abend = Buna sëra!
Gute Nacht = Buna nöt!
Bitte! (als Bitte) = Prëibel! = Prëitambel!
Danke = Dilan!
Bitte! (als Antwort auf "danke") = Nia da dì!
Sprechen Sie Ladinisch / Deutsch? = Baiëise ladin / todësch?
Ich möchte ein Einbettzimmer = I oress na ćiamena da un n let!
Wie geht es? = Co vara pa?
Gut / schlecht! = Bun / mal!
Haben Sie gut geschlafen? = Ëise dormì bun?
Wohin gehen Sie heute? = Ola jëise pa incö?
Wann ist Frühstück? = Can ciàfon pa le gostè?
Kommst Du zum Mittagessen? = Vëgneste a marëna?
Sehen wir uns beim Abendessen? = S'odunse pro cëna?
Es ist schönes Wetter = Al é bel tëmp
Es regnet = Al vëgn la plöia = al plöi
Es schneit = Al vëgn la nëi = al nëi
Es weht der Wind = Al va da vënt
Es hagelt = Al vëgn les granijores = al graniëia
Es ist warm / kalt = Al é ćialt / frëit
Ich bestelle einen Liter Wein = Iö comani n liter de vin
Wir zahlen die Getränke = Nos paiun les boandes
Heute Abend gehe ich tanzen = Insnöt vai a balè
Top
Guten Tag = Bun dé!
Guten Abend = Buna sëra!
Gute Nacht = Buna nöt!
Danke = Dilan
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